Teile und verleihe gern meine Bücher
Form follows dysfunction

"Brand's Haide" mochte ich ganz gern. Vor allem die Form, diese schnell verdunstenden Geistesblitze in kurzen Absätzen. Das kommt Lesern mit netzbedingter Konzentrationsschwäche wie mir sehr entgegen. Ich habe ja keine Ahnung von Literatur, aber mir kommt es so vor, als wollte Schmidt mit dieser Form nochmal die Kargheit des Lebens in der damaligen Situation unterstreichen. Man hat keine Ressourcen an Nahrungs- und Produktionsmitteln mehr, also geht es immer nur ein ganz kleines bisschen weiter. Heute haben wir auch keine Ressourcen mehr - an Zeit und an Aufmerksamkeit - und schon ist der Stil wieder sehr jetzt.

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Alter Angeber.

Bin jetzt bei meiner Schwiegermutter, auf dem Weg dahin BH im Zug gelesen. Auf dem Nachttisch lag dann zufällig ein kleines Büchlein, hieß „Dichter beschimpfen Dichter“ und darin fand ich folgendes Zitat: „Diese intellektuellen Muskelmann-Posen widern mich an“ - Rolf Dieter Brinkmann über Arno Schmidt.

Von Anwidern würde ich zwar längst nicht sprechen, aber damit ist schon was angesprochen, das nervt: der Kerl ist tatsächlich ein Angeber. Ich bring da jetzt mal bewusst die Figur des Romans mit dem Autor in Deckung (jaja, soll man nicht, soll man nicht). Tatsächlich frage ich mich sogar, ob man über das Buch großartig diskutieren kann. Mein Verdacht ist z. B., dass bei Schmidt-Jüngern dann auch dieses Imponierenwollen in der Rezeption wiederfindet: nämlich, sich toll finden, was man jetzt alles an literarischen Anspielungen rauslesen kann. Ich jedenfalls bin privat schon klugscheißerisch genug, um das nicht noch forsetzen zu müssen, bild ich mir mal ein, oder das wäre nur ein geringer Spaß. Schließlich kann man dafür auch die Bargfelder Ausgabe nehmen und dann entsprechend nachsehen, wenn man – wie ich – jetzt mal nicht weiß, was ein Bardur ist, warum da mal „Morphys Armen entrissen“ steht usw.

Dass mich keiner missversteht: sehr vergnüglich zu lesen, das alles. Mir gefällt z. B. sehr gut, dieses Alltagsbezogene, und was da alles rausgeschlagen wird, die Sprachvermischungen, die Magie der Lüneburger Heide, den Witz (oft).

Erstaunlich fand ich, wie früh offensichtlich Schmidt sich seinen Heldenkanon zurechtgelesen hat. Oder: eigentlich nicht. Die prägendsten Bücher, denke ich mal, sind dann doch die, die einem (zufällig?) so in den spät 10-nern, Frühzwanzigern übern Weg laufen. Aber sagt er eigentlich über seine Geistesheroen mal wesentlich mehr, als: „Großer Mann“?

Die Angeberei geht ja auch weiter: Nee, er hackt nicht nur Holz, er scheitet gleich in Windeseile nen ganzen Wald. Überhaupt diese Frauengestalten, wie bei allen, die ich von Schmidt kenne: so Hineinkonstruierte Blickwunder, auf dem Stande des pubertären Wahrnehmens: oh, wie die mich anguckt, die will doch was von mir.

Und wenn ich dann noch so was lese, wie: „»Du lügst !« sagte sie entrüstet : »entweder liebst Du Wieland oder mich ...«; ich bewies ihr manuell, das man Beides vereinen könne, bis sies erschöpft glaubte: »... und das will ein Intellektueller sein ... !« - dann ist die Protzerei so groß, dass man doch wohl mal die Frage stellen darf (und Leute, soll das hier nicht auch der Platz für die unqualifizierten Bemerkungen werden?): Hat Arno Schmidt vielleicht zuwenig gefickt?.

Aber wirklich, da ist auch sehr viel Schönes, z. B. das Schneckenspiel mit Lore, herzallerliebst. Sehr langweilig allerdings, die eingesprengselten (wie ich vermute: früheren Erzählungen von Schmidt), die er da Lore & Gretel vorliest. Und: andererseits kann ich das Gehabe auch verstehen, wenn sich einer so voll und ganz auf seine brotlose Schreibe stürzt, dann muss da wohl ein großer Teil Rüstung gegen die anders funktionierende Welt drumherum vorhanden sein, sonst hält man das wohl nicht durch.

Übrigens: wer die gebundene Ausgabe von BH sich vornimmt, da ist hinten dann noch „Schwarze Spiegel“ drin, noch kürzer, und hat mir wesentlich besser gefallen, was garantiert am Plot lag: ich hatte schon als Jugendlicher so eine Schwäche für Postapokalypse. Schöner Fantasieraum. (Was würde ich machen, wenn ich der letzte Mensch auf Erden wäre usw.).

Das mal so bewusst überspitzt, wollen ja auch was zum Streiten haben, nich.

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"Wokeen heddidadd geem?"

fragte er barsch. (Schorsch: heddidadd!), na dann.
"Tjä: nu issadd twei", erwiderte die Kleine nörgelig und hielt ihm das zerbrochene Gerät hin.

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ich frag mich schon die ganze zeit, wo ist jetzt dieses BLAKENHOF, das sagt mir keine deutschlandkarte, und das nächste krumau ist ja in tschechien, weit und breit keine lüneburger heide.

schwier hat bei etk einen band beschreibungen zu brand's haide herausgegeben, "lore, grete und schmidt" - hat das wer stehen und kann tipps draus geben?

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